Abonnieren

    02_Digital Natives_Header

    Der Begriff Digital Native sorgt bei vielen Menschen älterer Generation gern mal für Stirnrunzeln. Digital Natives - das sind die, die ihr Smartphone noch nachts im Bett kuscheln. Eine besondere und oft auch intensivere Beziehung zu ihren mobilen Endgeräten ist bei diesen jungen Menschen, die in der digitalen Welt aufgewachsen sind, durchaus beobachtbar. Spätestens aber seit den regelmäßigen Klimaprotesten Fridays for Future sollte der Gedanke obsolet sein, dass wir es hier mit einer mysteriösen Generation zu tun haben, die ihr Leben auf dem Planeten Smartphone verbringt und die sich für nichts anderes interessiert.

    Wer hätte es gedacht: Auch die als Digital Natives bezeichnete Generation besteht letztlich aus Menschen, die uns Älteren gar nicht so unähnlich sind. Hier und da gibt es allerdings kleine, aber feine Unterschiede. Die folgenden fünf Fakten sollen einen leichteren Zugang zu den jungen Talenten ermöglichen.

    1 | Aufgewachsen mit dem Internet in der Hosentasche

    Manch einem fiept die Erinnerung an das nervtötende Geräusch des Modems, das einem das Tor zu Welt eröffnet hat, noch buchstäblich im Ohr. Mit 56k im Schneckentempo durch das Netz surfen, wie es damals so schön hieß. Sich Informationen auf Wikipedia suchen und gebannt darauf warten, dass Bildinhalte Pixel für Pixel laden. Herzlichen Glückwunsch: Sie sind alt.

    Was sich mit der Marktreife des ersten iPhones 2007 verändert hat, liegt im wahrsten Sinne des Wortes auf der Hand. Bis zu 90 Mal pro Tag wandert der Blick zum Smartphone. Informationsbeschaffung, Shopping, Partnersuche - alles ist nur einen Klick oder einen Swype entfernt. Digital Natives kennen das Internet ausschließlich mobil und angepasst auf ihre Bedürfnisse.

    Gerade im Employer Branding und Recruiting sollten Sie diese Informationen immer im Hinterkopf haben. Was nicht auf dem Smartphone funktioniert, existiert in dieser Generation nicht. Das sehen im Übrigen nicht nur junge Menschen so. Auch der Suchmaschinen-Riese Google schlägt mit seiner Mobile First-Strategie genau in diese Kerbe. Webseiten, die rein für die mobile Nutzung konzipiert wurden, gewinnen also weiter an Wichtigkeit.

    2 | Schon heute auf dem Arbeitsmarkt präsent

    Digital Natives sind in einer digitalisierten Welt groß geworden, wohingegen die als Digital Immigrants bezeichnete Personengruppe diese Welt erst als Erwachsene kennengelernt hat.

    Die Gruppe der Digital Natives überschneidet sich stark mit der sogenannten Generation Y - also allen, die zwischen 1980 und 1999 geboren wurden. Bereits ab 2020 wird die Generation Y fünfzig Prozent der Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen auf dem deutschen Arbeitsmarkt stellen. Damit sind Digital Natives nicht nur für Unternehmen, die Auszubildende suchen, eine elementare Gruppe.

    Auch im Bereich der Professionals handelt es sich nicht mehr um eine verrückte Generationenfrage. Der Arbeitsmarkt ist schlicht auf die jungen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer angewiesen. Vor allem, weil über die digitale Transformation in Deutschland zwar viel geredet wird, diese aber noch immer aussteht. Es ist mehr als ratsam, innerhalb der Unternehmen anzufangen von einander zu lernen.

    3 | Konservative Werte werden hochgehalten

    Ein häufig gefälltes Vorurteil gegenüber Digital Natives ist, dass sich die jungen Menschen ausschließlich amüsieren wollen. Man wirft ihnen vor, dass sie faul und nicht belastbar seien und fordert gleichsam, dass sie am Arbeitsplatz überholte Verfahrensweisen erlernen - schließlich laufen die Betriebe seit jeher so. Die Bereitschaft zur eigenen Anpassung bleibt bei der Senior Generation oftmals aus. Dabei sind die jungen Menschen in ihren Wertvorstellungen nicht verdorben. Ganz im Gegenteil!

    Die drei wichtigsten Werte von Digital Natives sind: (1) Einen Partner zu haben, der einen liebt, (2) Freunde zu haben, die einen anerkennen sowie (3) ein gutes Familienleben zu führen. Das ergab eine 2018 durchgeführte Repräsentativbefragung (PDF) des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU).

    An vierter Stelle folgt: Eine gute Ausbildung zu haben. Faulheit und permanentes Verlangen nach Vergnügung lassen sich daraus kaum ableiten.   

    4 | Her mit der Verantwortung!

    Young Talents stellen hohe Anforderungen an Führungspositionen. Vor allem wollen sie transparente Kommunikation, direktes Feedback und Förderung von ihren Vorgesetzten. Eine Herabwürdigung von Praktikanten-, Auszubildenden- oder Werkstudenten-Stellen ist also nicht mehr zeitgemäß (sollte es das jemals gewesen sein).

    Digital Natives brauchen Vertrauen und wollen Aufgaben selbstständig übernehmen. Sie wollen lernen dürfen. Dabei können durchaus auch Fehler passieren, schließlich ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Wichtig ist, dass das Feedback an die Nachwuchstalente wertschätzend und nach vorne gewandt ausgesprochen wird. So erhält man die Lust an Verbesserungen. Wer sich die eigenen Fehltritte im frühen Arbeitsleben noch einmal vor Augen hält, wird sich erinnern, wie unangenehm diese Situationen waren - daran hat sich auch für Digital Natives nichts geändert.  

    5 | Work-Life-Balance

    Nine to five mit Anspruch - damit ist die Vereinbarkeit von Freizeit und Beruf gemeint. Nach dieser Vereinbarkeit streben die jungen Talente, während sie gleichzeitig anspruchsvolle Tätigkeiten ausführen und ihre Arbeitszeit effektiv nutzen wollen. Die gute Nachricht: Andere Berufsgruppen unterscheiden sich in diesem Punkt kaum von den Digital Natives.

    Alle Altersgruppen profitieren von einem ausgewogenen Verhältnis von Arbeit und Erholung. Selbst in der Schichtarbeit werden bereits innovative flexiblere Modelle ausprobiert. Die oben genannten zentralen Wertvorstellungen der jungen Generation begründen nachvollziehbar den Wunsch nach dem Erhalt der eigenen Freizeit. Auch in Führungsetagen nehmen die Mindfulness und Work-Life-Balance Angebote zu. Es ist also nicht unmöglich, voneinander zu lernen.

    Was an den Digital Natives auf den ersten Eindruck vielleicht verrückt wirkt, stellt sich bei näherer Betrachtung als durchaus fortschrittlich heraus. Unternehmen können und sollten sich das zunutze machen - ansonsten werden sie abgehängt.

    Welche Erfahrungen haben sie bereits mit Kollegen und Kolleginnen aus der Digital Native Generation gemacht? Wir freuen uns über Feedback in den Kommentaren oder an eva.stock[at]jobufo[.]com




    Zum nächsten Artikel:
    Ausbildung: Über 207.000 offene Stellen


    Zum vorherigen Artikel:
    REMONDIS x Jobufo: "Uns ist es wichtig, dass wir Persönlichkeiten einstellen."
    Schreibe einen Kommentar
    test-1