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    Lindi Utter hat vor etwa einem Jahr ein neues HR-Netzwerk aus der Taufe gehoben, das sich vor allem an junge Personaler richtet. Mittlerweile zählt das Netzwerk mehr als 150 Mitglieder aus ganz Deutschland. Die Kommunikation findet oftmals virtuell statt. Vor allem bei den persönlichen Treffen können sich die jungen Personaler aber ungezwungen austauschen und voneinander lernen. Wir haben mit Lindi zu dem "HR Rookies"-Netzwerk sowie den Sorgen, Nöten und Hoffnungen der jungen Personaler befragt. 

    Jobufo.com: Hallo Lindi Danke, dass du mir zu den HR Rookies ein paar Fragen beantwortest.  Was sind eigentlich die HR Rookies? Seit wann gibt es euch? 

    Lindi Utter: Die HR ROOKIES sind ein Netzwerk von jungen, begeisterten HRlern, Machern, Menschen, die die Arbeitswelt verändern und verbessern wollen und auch noch Spaß daran haben. Das erste Netzwerktreffen hat im September 2018 auf der Zukunft Personal stattgefunden. Dies war der offizielle Startschuss. Es gibt also bald den ersten Geburtstag zu feiern!

    Eine Gruppe von großartigen Menschen

    Jobufo.com: Kannst du mir etwas zu eurer Gründungsgeschichte erzählen? Woher kam die Motivation für HR Rookies?

    Lindi Utter: Entstanden sind die HR ROOKIES zunächst als Projektidee, als „ein Netzwerk für Menschen – tendenziell noch eher am Anfang ihrer Karriereleiter – die mit Leidenschaft und Begeisterung für HR auf der Suche nach Austausch, Vernetzung und Input sind. Die Idee stammt von Dennis Utter, der bereits lange in der HR Szene unterwegs ist. 2018 haben sich meine Rahmenbedingungen beruflich und privat so ergeben, dass ein perfekter Zeitpunkt gekommen war, die HR ROOKIES als quasi Initiative – mal sehen wohin es so führt – mit Unterstützung des HR RoundTable in die Praxis umzusetzen. Der Start verlief super und die ersten Treffen fanden statt. 

    Mit Leben gefüllt werden die HR ROOKIES durch eine Gruppe von großartigen Menschen, die sich mit Begeisterung um das Netzwerk kümmern und es stetig voranbringen – das sind neben vielen aktiven HR ROOKIES eine feste Gruppe, zu denen unsere Vorstände und Community Manager gehören, u.a. Curley Fiedler und Timo Riedle sowie Ann Carolin Zorn, Jana Annies, Panna Szabó, Claudio Sachar. Nun stehen wir kurz davor, die HR ROOKIES in einen gemeinnützigen Verein zu überführen und einen eigenen Blog zu starten, worüber ich mich sehr freue. 

    Jobufo.com: Du bist mit HR Rookies angetreten, um junge Personaler zu vernetzen und für den Job im HR zu begeistern. Woher kommt der Gedanke? Hast du selbst in dem Bereich gearbeitet?

    Lindi Utter: Ich habe 6 Jahre bei einem Unternehmen für Arbeitgeberzertifizierung gearbeitet, erst national, dann international. So habe ich im Rahmen von Interviews, Audits und Feedbackgesprächen zu deren HR Performance viele Unternehmen weltweit von innen gesehen, ihre HR-Arbeit kennengelernt und Menschen, die diese Arbeit leisten.

    HR hat nicht immer den besten Stand im Unternehmen

    Dabei ist mit aufgefallen, dass HR nicht immer den besten Stand im Unternehmen hat, woran man dringend etwas ändern sollte und auch könnte, denke ich. Zusätzlich gab es nicht zu viele Unternehmen, die es sehr gut geschafft haben Unternehmensstrategie, HR und Innovation so zu verbinden, dass großartige und intelligente Projekte, Programme, Maßnahmen, Software etc. entstehen können und - das ist meiner Meinung auch das entscheidende - mit Hilfe von HR bei den Mitarbeitern auch wirklich ankommen. An dieser Stelle macht HR den entscheidenden Unterschied.

    Meine Vision ist es, Menschen zusammenbringen, die mit demselben Ideal und Leidenschaft HR begreifen sowie Lust haben die Zukunft von HR zu gestalten, um letztendlich für jeden, der Arbeiten geht, nicht nur die bestmöglichen Bedingungen, sondern auch die bestmögliche Arbeit an sich zu schaffen.

    Jobufo.com: Wie viele Mitglieder hat HR Rookies momentan und wie sind diese vernetzt?

    Lindi Utter: Wir sind aktuell bereits über 150 HR ROOKES, die in einem Netzwerk mit Partnern (u.a. Evalea, HR RoundTable, La Concept, LEADING EMPLOYERS, CoachNow, Talents Connect, Jacobsen + Confurius) und Paten - das sind erfahrene HRler - digital und im Rahmen von live Treffen verbunden sind.

    Digital erfolgt der Austausch in erster Linie über Slack, hinzu kommt eine Gruppe auf Xing sowie monatliche Content Webinare. Vier bis fünf deutschlandweite Treffen mit tollen Speakern und vielen Fragen und Diskussionen werden begleitet durch regionale Treffen, die mittlerweile eigenständig aus dem Netzwerk heraus organisiert werden. Das Schöne an dem Netzwerk ist der Austausch in alle Richtungen und das Miteinander und voneinander Lernen. 

    HR Rookies: Die Community Manager bei einem Netzwerktreffen in Hamburg
    Die Community Manager bei einem Netzwerktreffen der HR Rookies in Hamburg - v.l.n.r. Franziska Köthe, Curley Fiedler, Ann-Carolin Zorn (Foto © HR Rookies)

     

    Jobufo.com: Was sind die größten oder wichtigsten Themen, die junge HRler momentan bewegen?

    Lindi Utter: Wenn man sich die übergeordneten Themenbereiche anschaut, wird viel Aufmerksamkeit dem Bereich Recruiting gewidmet. Das ist sicherlich keine Überraschung. Dabei spielt die Digitalisierung eine große Rolle sowie neue und ungewöhnliche Wege der Mitarbeiterfindung. Spannend ist auch zu sehen, wie unterschiedlich Praktiken in HR in den Unternehmen gelebt werden - von abgefahren fancy, “was, Du recrutierst nicht wirklich über Tinder” bis hin zu “ich arbeite in einem Familienunternehmen, wir fangen jetzt an Xing zu nutzen” und „bei uns geht das echt noch postalisch“, ist alles dabei. 

    Die Netzwerktreffen bieten einen doppelten Mehrwert

    Neben den harten HR-Fachthemen kristallisieren sich für mich in den Unterhaltungen jedoch eine ganz andere Art der Themen heraus, die wirklich bewegen. Und diese sind sehr ‘soft’. Sie haben viel mit Identität zu tun und dem Selbstverständnis von HR. Es ist eine große Dankbarkeit im Raum, wenn die wahrgenommen Hürden im Alltag eines HRlers allen anderen ROOKIES bereits bekannt sind und man gemeinsam Lösungen erarbeiten und Best Practices austauschen kann. Auch der Input der Paten ist sehr hilfreich, losgelöst vom daily business Fragen stellen zu können und praxisnahe Antworten dazu zu erhalten.

    Was beim ersten Blick nicht gleich gesehen wird, ist der doppelte Mehrwert, einmal für den HR ROOKIE selbst, der/die mit einem gepackten Rucksack voller Ideen und Erfahrungen das Netzwerktreffen verlässt, zum anderen für das Unternehmen, in dem er/sie arbeitet.  Denn das profitiert indirekt von dem neuen Input und könnte Netzwerken als Wissenserweiterung durchaus noch mehr schätzen und unterstützen.

    Jobufo.com: Wie kann ich ein HR Rookie werden? Falls ich dafür “zu alt” bin, kann ich euch irgendwie anders unterstützen?

    Lindi Utter: Man kann sich einfach bei mir melden 🙂 - per Email, Xing oder Internetseite - Betreff: ‘Ich will auch ein HR ROOKIE sein' und dann schauen wir gemeinsam,  was am besten passt. Wir haben eine Art Kriterienkatalog, ursprünglich geschaffen, um ein Netzwerk von Gleichgesinnten aufzubauen, die Geben und Nehmen wollen. Wir weichen aber auch gerne ein Stück weit von diesen Kriterien ab, wenn jemand mit viel Motivation dabei ist. Letztendlich geht es darum, eine gute Zeit zu haben und voneinander zu lernen, für sich persönlich und für das Unternehmen, in dem man arbeitet.

    Jobufo.com: Was ist dein Wunsch an HR für 2019? Siehst du da konkrete Themen, denen sich HR unbedingt widmen sollte?

    Lindi Utter: Die Positionierung von HR im Unternehmen wäre da so ein Thema. Talente in HR als Schlüssel für positive Veränderung zu begreifen, diese zu identifizieren und zu fördern. Aussagen wie “HR - das sind die letzten mit denen ich spreche” gibt es, ebenso die Frage nach “was macht HR eigentlich, außer Leute zu entlassen”. Ich würde mir wünschen, dass HR sich mit sich beschäftigt, begreift, definiert und kommuniziert was ihre Aufgaben sind und was sie ganz klar auch nicht sind. Dabei stets im Hinterkopf, dies mit und für die Menschen zu gestalten mit denen sie arbeiten und durchaus unter dem Bewusstsein der eigenen Identität des Unternehmens.

    Junge HRler brauchen Unterstützung

    Dabei geht es auch um Erwartungsmanagement und gezielte Kommunikation gegenüber den Mitarbeitern, aber auch gegenüber jungen HRlern. Diese brauchen Unterstützung, um zu verstehen, was sollen sie leisten, was können sie wirklich bewegen, was ist notwendig und was klingt einfach nur toll. Diese Unterstützung fehlt vielen HR ROOKIES im eigenen Unternehmen.

    Da Medien unsere Wahrnehmung stark beeinflussen sehen wir auch hier vorwiegend die geilen Trends, die hippe Software und das lässige Start-up-Leben. Wir vergessen dabei häufig, dass die meisten Menschen nicht so aussehen wie gephotoshopte Supermodels. Damit meine ich, dass auch die Welt von HR oft nicht super fancy ist, sondern Alltag und Abarbeiten bedeutet. Dies zielgruppengerechter und besser zu gestalten, weg von Manager sein, von Regeln und Practices,  hin zu Gestalter sein einer Arbeitswelt, in der man gemeinsam mit seinen Kollegen einfach gerne ist, mehr ‚Human Experience‘ statt ‚Employee Experience‘, ist entscheidend. Dieser Change ist sicherlich kein Spaziergang, kann aber als eine tolle Chance für motivierte, junge HR Talente und die Unternehmen selbst verstanden werden.

    HR wird schneller und digitaler

    Jobufo.com: Was glaubst du, wird sich in HR in den nächsten 5 Jahren verändern?

    Lindi Utter: Ich denke, dass im Rahmen von ‚alles wird schneller und digitaler‘ sich HR verabschieden muss/kann von vielen lieb gewonnen Ritualen, wie zum Beispiel dem klassischen Lebenslauf mit Anschreiben. Auch dass die Menschen sich an das Miteinander mit künstlicher Intelligenz gewöhnen müssen, egal wie dieses Miteinander auch aussehen mag – ohne wird es nicht mehr gehen.

    Neben dem Aspekt der zunehmenden Digitalisierung, gibt es eine zeitgleiche Entwicklung, die den Menschen als soziales Wesen in den Vordergrund stellt, den Wunsch nach jemandem in die Augen sehen zu können bei einer Unterhaltung und ein Gefühl für das Gegenüber entwickeln zu können. Dies ist eine Tendenz, die ich im Netzwerk der HR ROOKIES beobachten kann und durchaus unterschätzt habe.

    Deutlich wird das am Bedarf nach einem regionalen Netzwerk, den Austausch mit Gleichgesinnten, aber auch Leidensgenossen auf kurzem Wege nach der Arbeit. Ich bin gespannt, wie sich das im Arbeitsalltag zeigen wird und wie Unternehmen darauf reagieren.

    Jobufo.com: Liebe Lindi, wir danken dir sehr für deine Zeit und deine Offenheit!




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