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In der aktuellen Studie “Karriere-Webseiten 2019” der Hochschule RheinMain wurden die 146 bedeutendsten Arbeitgeber Deutschlands bzw. deren Karriereseiten untersucht. Unter den ausgewählten Firmen sind neben den 75 größten auch die 50 beliebtesten Arbeitgeber (nach Trendence 2018) sowie eine Auswahl an Mittelständlern, Arbeitgebern aus dem öffentlichen Sektor und aus der Digitalwirtschaft vertreten.

Wir haben mit Prof. Dr. Thorsten Petry, Professor für Unternehmensführung im Studiengang Media Management an der Hochschule RheinMain, zu seiner Studie gesprochen.
Auf Grundlage der Studie und unserer Erfahrungen bei Jobufo° haben wir einen Leitfaden für Sie erstellt:5 Tipps für Ihre Karriereseite

Jobufo°: Lieber Herr Petry, in Ihrer Studie “Karriere-Websites 2019” haben Sie zum elften Mal den Online-Auftritt deutscher Arbeitgeber analysiert. Die erste Studie kam im Jahr 2000 heraus und hatte den eher sperrigen Titel “Human Resources im Internet”. Was hat sich seit 2000 aus Ihrer Sicht im Bereich Karrierewebseiten verändert?

Prof. Dr. Petry: Eine ganze Menge. Einerseits haben viele Unternehmen bei ihren Karriere-Websites in den letzten Jahren deutliche Fortschritte gemacht. Andererseits gibt es auch im Jahr 2019 nach wie vor noch Unternehmen, deren Karriere-Website ziemlich rückständig bzw. die komplett abgehängt sind.

Es zeigt sich insgesamt eine sehr hohe Varianz in der Qualität der untersuchten Karriere-Websites. Der erreichte Erfüllungsgrad variiert zwischen sehr guten 84 Prozent (beim Gesamtsieger ThyssenKrupp) und erschreckenden 19 Prozent. Während die Frontrunner sehr überzeugen, sind die die Karriere-Websites einiger Arbeitgeber nicht ausreichend für den Kampf um knappe und vielseitig nachgefragte Talente gerüstet.

Jobufo°: Auf Platz 1 steht in diesem Jahr ThyssenKrupp - was für mich im ersten Moment etwas überraschend war (ich hätte da eher auf die zweit platzierte Otto Group getippt). Gab es für Sie dieses Mal Überraschungen?

Negativ überraschen auch die großen Namen

Prof. Dr. Petry: Die Top 3 mit ThyssenKrupp, Otto und Fresenius sind nicht wirklich überraschend. In den Top 10 überraschen ggf. die nicht ganz so renommierten Namen wie Mahle, Asklepios Kliniken und Kaufland. Dies sind aber alles große Arbeitgeber, für die dementsprechend die Gewinnung neuer Mitarbeiter eine hohe Bedeutung genießt. Hier wurde im Hinblick auf die Karriere-Website gute Arbeit geleistet.

Negativ überraschen ggf. Opel, EnBW, Hella, die Münchener Rück oder McKinsey, die manch einer aufgrund der Größe und Bekanntheit vielleicht nicht unbedingt im hinteren Bereich erwartet hätte.

Weniger überrascht sicherlich, dass sich am Ende der Rangliste ein Großteil der untersuchten Mittelständler und Digitalunternehmen sowie der Unternehmen aus dem öffentlichen Sektor befindet.

Jobufo°: Die gute Nachricht lautet ja: 60-75% der 146 untersuchten Unternehmen befinden sich insgesamt in einem “guten Durchschnitt”, was ihre Karriereseite angeht. 30% sind allerdings immer noch als “Rückständig” kategorisiert. Die Top 10 hat allerdings insgesamt überall noch eine Schippe draufgelegt im Vergleich zur letzten Studie.

Wird die Schere zwischen denen, die schon alles gut machen und denen, die eher rückständig sind, immer größer? Oder glauben Sie, dass die anderen Unternehmen noch aufholen werden?

Prof. Dr. Petry: Das lässt sich natürlich nicht generalisieren. Der Studienvergleich von 2019 zu 2017 zeigt, dass durchaus einige Unternehmen aufgeholt haben. Aber die zunehmende Veränderungsgeschwindigkeit unserer Umwelt – Stichworte sind hier sicherlich KI & Co. –birgt sicher die Gefahr der aufgehenden Schere. Denn wenn die Weiterentwicklungen immer schneller werden und ich still stehe, wird der Abstand zu den „Frontrunnern“ natürlich immer größer.

Deutliche Unterschiede in den Platzierungen

Bei genauerer Betrachtung der Auswertung, zeigen sich schon deutliche Unterschiede in den Platzierungen der Unternehmen innerhalb der verschiedenen Kategorien “Zugang”, “Info & Inhalte”, “Candidate Experience” sowie “Interaktivität & Funktionalität”.

Überblick Studien-Cluster 2019_Karriere-Webseiten Studie
Überblick Studien-Cluster 2019 aus der Studie "Karriere-Webseiten 2019"
(c) W. Jäger / S. Meurer / T. Petry

Jobufo°: Als Beispiel habe ich mal die Allianz rausgepickt. In der Gesamtbewertung erreicht die Karriereseite Platz 37 - bei “Interaktivität & Funktionalität” jedoch nur Platz 104. Was glauben Sie: Woher kommen solche großen Diskrepanzen in den einzelnen Clustern? Fehlt vielleicht sogar Wissen auf Seite der Unternehmen? 

Prof. Dr. Petry:  Dass Wissen fehlt, ist natürlich eine Möglichkeit. Würde ich der Allianz jetzt aber nicht zwingend unterstellen wollen. Es kann auch an einem anderen oder fehlenden Fokus in den letzten Jahren liegen. Das ist von außen nicht valide beurteilbar.

Jobufo°:  Dem Thema “Mobile Ansicht” und “Bedienbarkeit” kam in der Studie besondere Aufmerksamkeit zuteil. Wie wichtig finden Sie es nach Ihrem Forschungs- und Wissensstand, dass sich Bewerberinnen und Bewerber auch mobil gut bewerben können?

Prof. Dr. Petry: Die Ausrichtung auf mobile Endgeräte ‒ als primäres Kommunikations- und Internetnutzungsmedium unserer Zeit ‒ ist ein Muss. Mobil optimierte Informationsangebote sind unerlässlich. Inwieweit eine mobile (Kurz-)Bewerbung bzw. One-Klick-Bewerbung gewünscht/möglich ist, muss jedes Unternehmen individuell entscheiden. Gerade in engen Talentmärkten ist es sicherlich überlegens- bzw. empfehlenswert, den Bewerbern möglichst weit entgegen zu kommen und ihnen den Erstkontakt möglichst einfach zu machen.

Die Gestaltung muss vom Kandidaten her gedacht werden

Jobufo°: Was macht, wissenschaftlich betrachtet, für Sie eine gute Karriereseite aus, wenn Sie es auf 5-6 Punkte herunterbrechen müssten?

Prof. Dr. Petry: Zunächst einmal müssen die Interessierten bzw. potenziellen Bewerber überhaupt auf die Karriere-Website finden. D.h. über Suchmaschinen, hier natürlich insb. Google, und die gängigen Social-Media-Kanäle müssen sie auf die Karriere-Website geführt werden. Denn die Qualität einer Karriere-Website mag noch so gut sein, sie wird kaum den gewünschten Erfolg bescheren, wenn sie von keinem besucht wird.

Die Seiten müssen dann natürlich sowohl über stationäre Geräte mit großem Display als auch mobile Endgeräte mit kleinem Display (insb. Smartphone) adäquat nutzbar sein. Die Gestaltung der Website selbst sollte vom Kandidaten her gedacht sein und die für ihn/sie relevanten Inhalte und Informationen in einer attraktiven Form liefern, so dass die „Candidate Experience“ positiv ist. Auf dieser Basis sollte es dann einfach möglich sein, passende Stellenangebote zu finden, sich zu bewerben und mit dem Unternehmen in Kontakt bzw. Interaktion zu treten.

Jobufo°: Unabhängig von den wissenschaftlichen Erkenntnissen Ihrer Studie würde mich Ihre persönliche Meinung interessieren: Worauf achten Sie ganz persönlich, falls Sie sich auf eine Karriereseite verirren?

Prof. Dr. Petry: Ich bin kein guter Referenzpunkt, weil ich als Professor und jemand der sich damit professionell beschäftigt, einen ganz anderen Blick habe, als die Zielgruppe potenzieller Bewerber. Ich blicke da ziemlich „verkopft“ drauf und achte vermutlich auf ganz andere Kriterien als ein Bewerber.

 Damit bin ich aber natürlich nicht allein, sondern das gilt für viele bzw. alle Berater und Leute aus der Szene. Deshalb muss man auch immer aufpassen, dass man etwas – hier im Beispiel die Karriere-Website – nicht für die Fachcommunity optimiert (um Preise & Auszeichnungen abzuräumen), sondern für die potenziellen Bewerber (um viele gute Mitarbeiter zu gewinnen).

Deshalb haben die Bewertung in unserer Studie auch Studierende gemacht, die genau in der Situation sind, dass sie Praktika und Jobs suchen.

Kein flächendeckender Arbeitnehmermarkt

Jobufo°: Die Studie widmet sich in einem Abschnitt auch dem Wandel vom Arbeitgeber*innen- zum Arbeitnehmer*innen-Markt. Nun sind die Wirtschaftsprognosen für Deutschland nicht besonders rosig. Sehen sie da eine Gefahr, dass sich das ganze Thema aufgrund schlechter Wirtschaftslage wieder drehen wird und am Ende die Bewerber*innen in die Röhre gucken?

Prof. Dr. Petry: Nein, mittel- und langfristig nicht. Eine kurzfristige Konjunktur- und Arbeitsmarktkrise ist natürlich möglich. Die demografische Entwicklung ist aber eindeutig.

Trotzdem es ist natürlich auch so, dass wir weder heute noch zukünftig in allen Bereichen einen Arbeitnehmermarkt haben (werden). Es dürfte auch zukünftig noch Arbeitsmarktbereiche geben, in denen viele Bewerber um wenige Jobs kämpfen. Die Welt ist nicht so mono-kausal wie sie zum Teil dargestellt wird.

Jobufo°: Wird in der nächsten Studienauflage das Thema “KI in der Personalauswahl” eine Rolle spielen? Wie ist ihre Prognose zu dieser Technologie - wird sie an Relevanz gewinnen?

Prof. Dr. Petry: Das Thema KI im Recruiting wurde bereits diesmal analysiert. Zumindest der Teil, der von den Kandidaten über die Karriere-Website wahrnehmbar ist. Also Chatbots, Karrierematcher, Sprachsteuerungsoptionen & Co. Was später im Bewerbungsverfahren intern im Unternehmen abläuft ist dagegen nicht Objekt der Karriere-Websites-Studie – und wird es auch zukünftig nicht sein.

Im Bereich der Karriere-Websites zeigt sich in der Studie, dass KI erst ganz langsam Einzug hält. In 2019 bieten hier nur sehr wenige Unternehmen entsprechende Funktionalitäten an. Das dürfte bei der nächsten Auflage in 2021 vermutlich schon etwas anders aussehen. Aber schaun mer mal …

Jobufo°: Vielen Dank, Prof. Dr. Petry, für dieses ausführliche Interview.

Die Studie "Karriere-Websites 2019"

Wenn Sie die gesamte Studie lesen wollen, finden Sie diese hier auf der Website der Hochschule RheinMain. Weitere Informationen zu Prof. Dr. Thorsten Petry finden Sie hier.

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Eva Stock, Head of Business Relations, freut sich von Ihnen zu hören. Hier in den Kommentaren oder an: eva.stock(at)jobufo.com




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